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" Fahrender Sänger unter Strom" >
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Zu Gitarren pflegt Florian Kmet ein "eher inniges
Verhältnis". Zerstört werden sie deshalb
nur im Ausnahmefall. Sonst würde dem mit Live-Sampler
agierenden Tiroler "Electronic Singer/Songwriter"
ja überhaupt kein Bühnenpartner mehr bleiben.
Florian Kmet, Gitarrist und als derselbe neuerdings
eine One-Man-Show, findet sich bei seinem heutigen Auftritt
in Hall in illustrer Gesellschaft wieder: Die italienische
Formation Musica da cucina, die simplen Küchengerätschaften
eigentümliche Melodien entlockt, und der britische
Singer-Songwriter Fink stehen ebenfalls auf dem Stromboli-Programm.
Die Säge singt mit
Das passt, befindet Kmet, der bei diesem Konzert-Marathon
sein erstes Solo-Album "Electric Songs" vorstellt
und mit Fink noch zwei weitere Auftritte in Österreich
absolvieren wird. Die italienische Art, sich ein eigenes
Sound-Süppchen zu kochen, sagt dem Gitarristen
aber ebenso zu: Schließlich, so Kmet, hätten
auch in den "Electric Songs" Gegenstände
aus den eigenen vier Wänden Sounds begesteuert:
"Zum Beispiel ein großer Umzugskarton, der
als Bass Drum fungiert hat." Womit wir auch schon
mitten im vielfältigen Klangspektrum des selbst
bezeichneten "Electronic Songwriters" angekommen
wären: Vierzehn Stücke liefert Kmet auf seinem
Solo-Debüt, dem man die Freude am Spielen ebenso
anhört, wie jene am Sound-Sammeln und
-Generieren. "Order Rain" etwa gaukelt eine
der Slidegitarre entlockte singende Säge vor: Verblasste
Jahrmarktbilder sind vor dem inneren Auge der Zuhörerschaft
ebenso willkommen, wie eine ausgelassene Mofa-Fahrt
ins Ungewisse beim Hören von "My Red Puch".
"Ich setze mir keine stilistischen Grenzen",
sagt Kmet, der sich selbst durchaus im Popbereich angesiedelt
sieht - "aber eben mit Ecken und Kanten".
Als Songwriter nimmt er sich außerdem mit einem
Augenzwinkern skurriler Geschichten, Menschen oder Orte
an. Davon zeugen auch Songs wie "Stalker"
und "American Dream".
Allein mit virtueller Band
Letzteren hat der 1973 Geborene übrigens drei Jahre
lang selbst gelebt: Als 18-jähriger verließ
Kmet die Tiroler Heimat, um in New York als Gitarrist
bei diversen Bands anzuheuern. Nach drei Jahren zog
es ihn zurück nach Wien und an die Musikhochschule,
wo er klassische Gitarre studierte. Etwa zeitgleich
begann Kmet, sich in den Bereichen Improvisation, Neue
Musik und Elektronik zu versuchen. Das Experimentelle
beschäftigt ihn auch heute noch: Mit dem Trio Superlooper
und dem Duo Lokai ist Kmet auf Festvials für zeitgenössiche
Musik, aber auch im Umfeld von Medienkunst und Performance
unterwegs.
Diese Umgebung (und nicht etwa die Rockerzeit in New
York) war es auch, die ihn zum Zertrümmern einer
Gitarre gebracht hat: "Das kam für mich eigentlich
nie in Frage.
Ich habe ein eher inniges Verhältnis zu Gitarren",
schmunzelt Kmet anlässlich der Frage nach einer
eventuell latent vorhandenen Rocker-Attitüde. Entlockt
hat ihm diese schließlich ein Freund: "Gerald
Zahn vom Künstlerkollektiv reizend.tk hat mich
gebeten, für eine seiner Kunstfilmserien eine Gitarre
zu zertrümmern." Und das sei eine durchaus
"energetische Erfahrung gewesen."
Eine solche ist allerdings auch Kmets Live-Performance
der "Electric Songs": Der Musiker arbeitet
mit Live-Loops, ist seine eigene Human Beat Box - und
lässt "mit einem Steptanz auf den Pedalen"
eine virtuelle Band um sich herum entstehen. Stromboli,
ab 21 Uhr.
IVONA JELCIC [ DIE NEUE 20.04.2007
- Nr.93 ]
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